Lange habe ich darüber Nachgedacht, aber der “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” war einmal ein wichtiger Preis, der den Frieden, die Friedensstiftung, die Sehnsucht nach Frieden würdigte.
Dichterinnen und Dichter, die sich engagierten, Kulturen verbanden, in ihrem Werk Unversöhnliches zu befrieden suchten, wurden geehrt.
Nun aber und das ist eigentlich ein Skandal, der leider beinahe unwidersprochen von der Öffentichkeit hingenommen wird, wurde Karl Schlögel geehrt.
In seiner eigenen Dankesrede hat er sich diesen Preis selbst abgesprochen.
Wie kann diese Rede, ohne Aufruhr mit diesem Satz enden:
“Von der Ukraine lernen, heißt furchtlos und tapfer sein, vielleicht auch siegen lernen …”.
Ich war sprachlos.
Wer mich kennt, weiß:
Das ist selten.
Selbst wenn (wofür ich wenig Anlass sehe) das Werk dieses alten Mannes für diesen Preis in Frage käme – es gibt so viele Frauen und Männer, die vielleicht in der Nachfolge Erich Frieds für den Frieden wirken, selbst wenn:
Dieser Satz zerstört alles. Die Ukraine kämft … und sie stirbt.
Was soll man denn lernen – von der Ukraine?
Vielleicht schnell desertieren, wie hundertausende ukrainische Männer – um zu überleben.
Wenn wir denn siegen lernen sollen, wen möchte der Herr Schögel denn besiegen (Rußland – vieleicht funktioniert es ja das dritte mal) und noch viel schlimmer:
Was passiert nach dem ersehnten Sieg?
Ein Historiker, der die Vergangenheit kennt, kann so etwas Dummes nicht absondern.
Und ein Historiker, der die Vergangenheit nicht kennt, ist eben kein Historiker.
Also ich wäre in der Paulskirche aufgestanden und gegangen.
Ich wünsche mir Frieden für Sie alle, für Euch alle und für die Urkainer und Russen, die Juden und Palestinenser.
Es ist wie mit der Gesundheit, es gibt nur eine. Aber viele Kankheiten.
Es gibt nur einen Frieden – aber tausende Kriege.
Also lassen Sie uns alle beginnen, miteinander zu reden.
Einen friedlichen, besinnlichen Advent wünscht Euer
Matthias Lehmann, Buchhändler